Vor einigen Jahren lebte im Naturschutzgebiet Talweiher bei Anwil einige Zeit eine Nutria – ein südamerikanischer Sumpfbiber. Dieses Einzeltier fiel dem strengen Winter 2009 zu Opfer, aber es hat gezeigt, dass es auch unser einheimische Biber die Ergolz hinauf bis nach Anwil schaffen sollte. Seither warteten Beat Schaffner und Martin Küng vom Natur- und Vogelschutzverein Rothenfluh-Anwil gespannt auf die Ankunft des Nagers.

 Frassspuren web
Diese Nagespuren können nur von einem Biber stammen. Foto: Beat Schaffner, 2.8.2014

 

Am 1. August dieses Jahres war es dann soweit: Beat Schaffner entdeckte eindeutige Nagespuren beim oberen der beiden Talweiher! Noch mehr staunte Martin Küng, der als Forstwart bei den Pflegearbeiten im Naturschutzgebiet Talweiher mitarbeitet und zudem als Ranger des Naturschutzdienstes amtet, als er einen Tag später mitten in Rothenfluh im kleinen Dübach einen Biber entdeckte. Dieser verschwand im eingedolten Teil des Bächleins und wollte trotz geduldigem Wartens nicht mehr erscheinen. Beim beobachteten Tier handelt es sich wahrscheinlich um ein zweijähriges Jungtier, welches vor kurzem seine Familie verlassen musste und noch über keinen eigenen Bau verfügt. Darum hat es wohl die Röhre des Dübachs als Tagesunterschlupf benutzt. Es ist möglich, dass es sich um den gleichen Biber handelt, der im 1,5 km entfernten Weiher die Spuren hinterlassen hatte. Gemäss Peter Lakerveld, Biberexperte bei Pro Natura Baselland und Leitender Ranger des Naturschutzdiensts im Talweiher, erstreckt sich ein Biberrevier in der Regel über 2-3 km und insbesondere junge Biber haben einen ausgeprägten Wandertrieb. Es könnte sich jedoch auch um zwei verschiedene Tiere handeln, welche beide auf der Suche nach einem eigenen Revier sind. Auf jeden Fall arbeitete der Biber im Talweiher weiter: Ein am 5. August angeknabberter Baum war am folgenden Morgen gefällt und beim Auslauf des oberen Weihers hat der emsige Nager bereits einen kleinen Damm errichtet.

 

damm web
Bereits hat der Biber am oberen Weiher einen kleinen Damm gebaut. Foto: Beat Schaffner, 2.8.2014

 

Der Biber ist also definitiv im Naturschutzgebiet Talweiher angekommen, wo ihm ein erstklassiger Lebensraum mit einem grossen Nahrungsangebot zur Verfügung steht. Damit er nicht die "falschen" Bäume anknabbert, wurden ein seltener Speierling und einige alte Kopfweiden gezielt geschützt. Die Besucherinnen und Besucher werden vom Naturschutzdienst mittels Infoplakaten über den Biber und seine spannende Lebensweise informiert.

baumschutz web
Seltene Bäume wie dieser wilde Apfelbaum wurden umgehend geschützt. Foto: Peter Lakerveld